EISENSTÄDTER FENSTER G'SCHICHTLN

Der Frühling ist ins Land gezogen. Normalerweise würde die Eisenstädter Fußgängerzone zum Leben erwecken, der blühende Schlosspark zu einem Tratscherl mit Freunden und den Kindern einladen. Doch im März 2020 ändert sich die Welt und alles ist anders.

Wie geht es den Menschen in Eisenstadt in Zeiten von Corona? Welche besonderen Geschichten begleiten sie? Wie gestalten sie diese Zeit in den eigenen vier Wänden?

Ich möchte den Eisenstädterinnen und Eisenstädtern ein Gesicht geben, ihre persönlichen Geschichten in dieser schwierigen Zeit erzählen und diese Momente festhalten.

Unterstützt werde ich dabei von der großartigen Texterin Ina Laubner und ihrer Agentur Laubner Content Consulting. Ina Laubner begleitet mich zu den Fenstern und erzählt die Geschichten mit viel Liebe und professionellen Texten.

Homepage Laubner Content Consulting

Bürgermeister Thomas Steiner

Befremdlich, aber nicht mehr ungewöhnlich findet Eisenstadts Bürgermeister den Anblick aus seinem Fenster im Eisenstädter Rathaus.
Die leere Fußgängerzone in den Wochen vor Ostern, nun alle maskiert - Alle auf Abstand.

Dennoch beschreibt er sein momentanes Gefühl um die Situation mit GEMEINSCHAFT –
Nur gemeinsam wird es gelingen die Krise zu überwinden, ist der ÖVP Politiker überzeugt.
Und das, hofft er, wird im Winter gelungen sein. Dann möchte er den Christkindlmarkt mit seiner Beleuchtung, dem großen Christbaum und vielen glücklichen Menschen sehen.

Martina

Nebengebäude, Frühlingsgärten, Familien. Das sieht Anästhesistin Martina, wenn sie aus ihrem Wohnungsfenster schaut. Familie, das ist auch ihr Thema im Moment, denn sie ist im 7. Monat schwanger. Aber einer fehlt: Ihr Verlobter, der Papa ihres Kindes. Ein Australier, am Weg zu ihr, zu seiner ungeborenen Tochter und zur gemeinsamen Hochzeit blieb er im Corona-Chaos in seiner Heimat hängen, bekommt kein Visa mehr.
Martina vermisst ihn. Die standesamtliche Hochzeit im Mai ist abgesagt, ob er es zur Geburt Anfang Juli schafft, ist mehr als fraglich. Und auch beruflich vermisst die junge Frau viel: ihre Kollegen auf der Intensivstation, denn sie kann in dieser fordernden Zeit nicht helfen, aber immerhin ihre Facharztprüfung vorbereiten. Es sei, als ob dem Alltag, der Wind aus den Segeln genommen wurde, sagt sie. Die Rücksichtnahme, das Füreinander, das sollen die Menschen ihrer Ansicht nach behalten. Bis Dezember und darüber hinaus.
Dann möchte Martina als Familie leben. Mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter. Sie ist und sie bleibt guter HOFFNUNG.

Johannes

 

Viele Fragen stehen im Raum. Ein schöner Raum mit großen Schiebefenstern. Er ist hell, modern und voller eleganter Gläser, Dekanter und guter Flaschen Wein. Es ist der Kostraum von Johannes Nehrer. Winzer in St. Georgen am Leithagebirge.

„Wie geht es wirtschaftlich weiter? Wie entwickelt sich der Markt?“. Gedanken, die ihn aktuell täglich begleiten. Während seiner Arbeit im Weingarten – zu der er nun persönlich kommt, was ihn erfüllt und freut. Während seinen Gesprächen mit Letztverbrauchern, die - trotz Abstand - nun viel intensiver geführt werden können.

„Es ist einfach mehr Zeit. Und man fragt sich, wo man diese Zeit früher sonst verloren hat“, sinniert der junge Weinbauer. Zwei große wissenschaftliche Arbeiten können nun endlich finalisiert werden, ein Projekt mit Bio-Help zur besonderen Begrünung der Rebzeilen ist am laufen. Positive Aspekte in einer Zeit, in der die Überlebensfrage täglich gestellt wird.

Der Betrieb wurde auf ein Minimum heruntergefahren und kann so einigermaßen wirtschaften. Eine SCHRÄGE Zeit findet Johannes, aus der die Gesellschaft hoffentlich die nun entdeckte Wertschätzung für die Schönheit der Natur vor der Haustüre mitnehmen kann.

 

Für Dezember wünscht er sich, dass die positiven Aspekte geblieben sind und eine der Fragen, die ihn dann beschäftigt zum Beispiel die ist, welche Flasche Wein die nächste sein soll. Bei seiner wöchentlichen Weinrunde, immer mittwochs, immer in der Selektion.

Agnes Ottrubay

 

Wenn Agnes Ottrubay aus dem Fenster blickt, sieht Sie einen Garten in dem es nur so sprießt und blüht. Eine Terrasse mit großem Tisch, vielen Sesseln. Den braucht Sie in diesen Tagen auch, sind in der Quarantäne doch alle drei ihrer mittlerweile erwachsenen Kinder wieder zu Hause eingezogen. „Ich schäme mich fast, aber ich genieße diese Zeit wirklich sehr“, erzählt die gebürtige Ungarin, die sich als absoluten Familienmenschen sieht.

Selbst im Kommunismus groß geworden, kennt sie (teil-)geschlossene Grenzen seit jungen Jahren. Dennoch hat ihr in dieser Zeit nie etwas gefehlt, sie sei sehr geborgen aufgewachsen und gab das auch weiter. Gleichzeitig erkannte die Gründerin und Vereinsvorständin von Vis Fontis bald, dass nicht alle Kinder diese Chance geboten bekommen. Sie stehen im Zentrum der Arbeit, für sie stehen 50 gepackte Osternestchen bereit, die vor dem Shut-Down nicht mehr zeitgerecht über die Grenze gebracht werden konnten. Sie wären bestimmt für Kinder, die in einem Ostercamp ein wenig „Abwechslung für die Seele“ bekommen sollten.

Hilfe, wie sie bis jetzt funktionierte, nämlich mit viel Engagement vor Ort klappt in Corona Zeiten nicht. Bitter, denn gerade jetzt stehen viele am Existenzminimum lebende Familien vor dem Nichts, die meisten haben ihre Jobs mit ohnehin bescheidenem Einkommen verloren. Mit monetären Spenden, die sonst nicht im Fokus von Vis Fontis liegen, wird nun in Akutfällen unbürokratisch und schnell geholfen.

 

Abseits der verkomplizierten Vereinsarbeit versucht Agnes Ottrubay seit Corona den Tag strukturiert zu leben und genießt es die Familie zu bewirten, Gespräche und Spaziergänge.

Ihren Freundeskreis holt Sie sich per Telefon „nach Hause“ und spürt sehr viel NÄHE, trotz Distanz. Eine Entwicklung, die sie generell gesellschaftlich empfindet.

 

Für Dezember wünscht sie sich Schnee. Und dass mindestens 50 Nikolauspäckchen problemlos und ohne geschlossene Grenzen, ohne sozial grobe Einschränkungen wieder strahlen in die Augen jener Kinder zaubern, die das Wort Krise ihr junges Leben begleitet. Auch ohne Corona.